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Schrottimmobilien - eine unendliche Geschichte

16. März 2011

Die Vermittlung von Schrottimmobilien als Kapitalanlage erfuhr in den 90er Jahren ihren Höhepunkt. Nachdem viele Anleger auf die Vertriebsmethoden hereingefallen waren, dachte man, dass die Schrottimmobilienwelle nun abgeflacht sei. Tatsächlich ist kein Ende in Sicht. Viele Vertriebsunternehmen versuchen weiterhin – recht erfolgreich - die Immobilien an den Mann zu bringen.

Immobilien als Kapitalanlage für Anleger mit Geld

Ursprünglich waren Investitionen in nicht selbst genutzte Eigentumswohnungen eine sinnvolle Kapitalanlage für Anleger, welche ihr (angespartes) Geld gewinnbringend anlegen wollten. Soweit die Mieteinnahmen regelmäßig flossen und es keinen Ärger mit den Mietern gab, konnte der Anleger mit anschaulichen monatlichen Erträgen rechnen. Darüber hinaus gewannen die Immobilien an Wert und konnten gewinnbringend weiterveräußert werden. Zinsen für aufgenommene Darlehen waren steuerlich absetzbar. Insgesamt ein lohnendes Geschäft. Der Anlegermarkt war jedoch bald ausgeschöpft. Verdienen wollten Bauträger und Vermittler aber weiterhin, die Gier wuchs.

Immobilien auch für Anleger ohne Geld

Bereits Ende der 80er Jahre wurde daher dazu übergegangen, auch Bürgern mit nicht ausreichendem Eigenkapital unter gleichzeitiger Vermittlung eines Darlehens fremdgenutzte Eigentumswohnungen zu vermitteln. Hierbei handelte es sich vielfach um junge Familien oder Personen, welche sich eine solche Wohnung schlichtweg nicht leisten konnten. Schnell führte der Wohnungserwerb zu einer wirtschaftlichen Katastrophe.

Typischer Ablauf der Vermittlung

Geworben wurden die Anleger vorab per Telefonakquise mit dem Stichwort „ Steuerersparnis“. In einem Hausbesuch pries der Vermittler die Schrottimmobilie mit allen möglichen Versprechungen an. Danach hatten die Anleger in der Regel keinen Einfluss mehr auf den Ablauf. Ausgefertigte Verträge wurden bereits kurze Zeit später zum Unterschreiben vorgelegt. Manchmal ging die Fahrt auch gleich direkt zum Notar. Im Vorfeld wurde erklärt, dass man sich um alles kümmere, auch um die Finanzierung. Dass die Vermittler oftmals über 30% des Kaufpreises an Provisionen verdienten, wurde verschwiegen. Der Kaufpreis war dadurch nicht selten sittenwidrig überhöht. Deshalb war eine Veräußerung der Immobilie mit Gewinn auch von vornherein ausgeschlossen.

Der Vertrieb geht hemmungslos weiter

Zwischenzeitlich wurde im Internet und in der Presse eingehend vor den Vermittlerfirmen gewarnt. Daraufhin firmierten sich viele altbekannte Unternehmen um und versuchen nun unter geändertem Namen das Geschäft mit den Anlegern weiter zu betreiben.

Es ist nicht zu spät

Wenn auch Sie bereits Verträge für eine sogenannte Schrottimmobilie unterzeichnet haben ist es nicht unbedingt zu spät. Unter Umständen besteht die Möglichkeit aus den Kaufverträgen und/oder Darlehensverträgen wieder herauszukommen. Wichtig ist, dass Sie keine Zeit verstreichen lassen und sich so schnell wie möglich fachkundig beraten lassen. Oftmals gibt es Anfechtungs- und andere Rechte, welche nicht zeitlich unbegrenzt geltend gemacht werden können.

Ansprechpartner: Rechtsanwalt Stefan Allmendinger

 

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